Kölner
Stadt-Anzeiger
Beklemmend und lustig zugleich
Es gab hierzulande Zeiten, da reichte es schon, anders zu sein.
Und wer anders war, hatte schlechte Karten. Da stand plötzlich
jemand, der nur eine von Natur aus blasse Gesichtsfarbe, stechende oder
tief liegende Augen hatte, mit dem Teufel im Bunde - so glaubten es
jedenfalls sein Zeitgenossen.
Was passierte, wenn jemand der Hexerei verdächtigt wurde, ist hinlänglich
bekannt. Für den bis dahin vielleicht Unbescholtenen begann sodann
ein Spießrutenlauf, an dessen Ende meist der Tod durch Ersäufen,
Erhängen oder Verbrennen stand. Die Hexenverfolgung ist eines der
dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte überhaupt. Ein Kapitel,
bei dem sich vor allem die christlichen Religionen nicht gerade mit
Ruhm bekleckert haben.
Wie kann man ein solch grausames Thema locker und unterhaltsam aufbereiten?
Das mag sich der eine oder andere schon gefragt haben, der sich für
die neue Inszenierung des "theater 1" eine der begehrten Karten
gesichert hatte. "Verhext!" - so hieß das Stück,
das Christiane Remmert und Jojo Ludwig in ihrem Kulturhaus an der Münstereifeler
"Langenhecke" aufführten. Und es drehte sich - wie der
Titel bereits verrät - um die Hexen-Thematik.
Es war zum Teil schon harter Tobak, den das Schauspieler-Duo da präsentierte.
Spätestens zu dem Zeitpunkt, als per Videobeamer die Namen von
zum Tode verurteilten Hexen wie in einem Filmabspann vor lodernden Flammen
auf einer Leinwand zu sehen waren, dürfte wohl allen im Saal klar
gewesen sein, warum keine Kinder zur Aufführung zugelassen waren.
Um die kümmerten sich in der Zwischenzeit Mitglieder des Fördervereins
"1 theater für Bad Münstereifel e.V." gleich nebenan
im zukünftigen Theatercafé.
Dass die Leute das Theater dennoch nicht mit hängenden Köpfen
und allzu nachdenklich verließen, lag an der geschickten Dramaturgie,
die Ludwig und Remmert ihrer Inszenierung gegeben hatten. Es gab in
der Tat auch eine ganze Reihe lustiger Momente
die das Publikum von jetzt auf gleich laut loslachen ließ. Selbst
"Harry Potter", der wohl zur Zeit bekannteste "Hexer"
in Kinderzimmern, musste quasi ran. Ebenso wie die Hexen, die man aus
den einschlägigen Kindermärchen so kennt.
Puppen spielten diesmal auf der Bühne des Kulturhauses eine eher
untergeordnete Rolle. Lediglich ein Richter in roter Robe agierte wie
der Großinquisitor höchstselbst, wurde letztlich aber unfreiwillig
zur komischen Person. Ansonsten wuselten nur leibhaftige Hexen durch
den Saal. Zum ersten Mal - und dies war eine Besonderheit - hatten sich
Christiane Remmert und Jojo Ludwig Verstärkung geholt. Mit von
der Partie waren unter anderem ihre beiden Töchter Bettina Ludwig
und Josephine zum Kley sowie Profitänzerin Hanna Limper. Der von
ihr mitentwickelte Hexentanz markierte den Höhepunkt der Inszenierung.
Kölnische
Rundschau
Hexenwahn und Inquisition
"Kulturhaus theater 1" in Bad Münstereifel mit Uraufführung
Erwartungsgemäß ausverkauft war die Welturaufführung
der neuen Inszenierung "Verhext !" und das anschließende
Hexenfest im "Kulturhaus theater 1";.
Ein Erfolg, der die "Kulturhaus"-Protagonisten Christiane
Remmert & Jojo Ludwig dazu ermutigt, es nicht bei dieser einmaligen
Reminiszens an die Walpurgisnacht zu belassen, sondern daraus eine weitere
Tradition zu entwickeln.
Das äußerst vielschichtige Stück setzt sich mit Hexenwahn
und der daraus resultierenden Ermordung Unschuldiger, mit der "heiligen
Inquisation", aber auch mit den der Fantasiewelt entsprungenen
Hexen auseinander. Die Besucher sahen sich einmal mehr einer gelungenen
Kombination aus Lesung und Theater gegenüber, bei der neben den
beiden Schauspielern Puppen und Projektionen, Tanz und Toncollagen eingesetzt
wurden, um sich den verschiedenen Aspekten des komplexen Themas behutsam
nähern zu können.
Der Inszenierung lagen Texte von Goethe, Bulgakow, Storm und E.T.A.
Hoffmann zu Grunde, unterlegt mit Musik-Interpretationen der Humperdinck'schen
Oper "Hänsel und Gretel".